Tassajara Zen Mountain Center

Tag 131-150 – 11.-31. August 2017

Freitags morgens sind wir mit Nathan verabredet, er fährt als Gast nach Tassajara und nimmt uns mit. Außerdem fährt noch Delip mit, er bleibt für eine Woche in Tassajara. Falls ihr wissen wollt, was Tassajara eigentlich ist – hier ist die Homepage. Es gibt verschiedene Aufenthaltsarten dort. Wir machen Student Work Practice, das heißt wir arbeiten jeden Tag und nehmen am normalen Tagesablauf der Leute teil, die in Tassajara leben, Kosten entstehen uns keine. Delip mach Guest Practice, das heißt er arbeitet halbtags, Teilnahme an Meditation und Service sind freiwillig, den Rest der Zeit hat er zur freien Verfügung, er zahlt für seinen Aufenthalt, aber weniger als die Gäste. Gäste zahlen für den Aufenthalt, wie in einem Hotel oder sie sind Seminarteilnehmer und bekommen jeden Abend ein mehrgängiges Menü. Ich bin jedenfalls schon ziemlich nervös, schließlich hab ich noch so gar keine Erfahrung mit Zen gemacht in meinem bisherigen Leben, und jetzt gleich für drei Wochen das volle Programm. Immerhin hab ich in den letzten Wochen schonmal ein bisschen meditieren geübt und Chris hat mir schon vieles erzählt. Tassajara liegt sehr abgelegen in den Bergen bei Monterey, nach einer holprigen Fahrt kommen wir am Nachmittag an. Am Ankunftstag müssen wir noch nicht am Tagesablauf teilnehmen und es ist erstmal Zeit zur Orientierung. Wir beziehen unsere Zimmer (für die erste Woche gab es kein gemeinsames Zimmer für uns), danach zeigt Chris mir alles. Außerdem gibt es eine Zendoeinführung (Zendo ist der Raum, in dem die Meditation stattfindet) und später noch ein Gespräch mit dem Ino (in einem Zen-Tempel die für den Ablauf der Zeremonien verantwortliche Person) über die Regeln des Zusammenlebens. Abendessen, Leute beschnuppern. Und ich freue mich sehr, eine Katze zu treffen, damit hab ich gar nicht gerechnet. Später werde ich gewarnt, dass sie manchmal beißt und dass schon zweimal Gäste wegen ihr ins Krankenhaus mussten. Aber wir werden Freundinnen und sie beißt mich nie. Und ich treffe auch noch einen zweiten freundlichen Kater.

Samstags ist dann der erste volle Tag. Der Tagesablauf sieht so aus: 5.20 Uhr Wake Up Bell, 5.50 Uhr Zazen (Meditation), 6.50 Uhr Service (lässt sich nicht so gut übersetzen, weil Gottesdienst trifft es nicht, weil es ja gar keinen Gott gibt), 7.15 Uhr Soji (15 Minuten arbeiten vor dem Frühstück), 7.30 Uhr Frühstück, 8.30 Uhr Work Circle, Arbeiten bis um 12 Uhr, Mittagessen, 13 Uhr Work Circle, Arbeiten bis 16.30 Uhr, 17.50 Uhr Evening Service, 18 Uhr Abendessen, 20.40 Uhr Zazen bis 21.30 Uhr, danach schlafen gehen. Und von 21.30 Uhr bis zum Frühstück ist Stille angesagt. Beim Work Circle morgens werden Chris und ich beide der Küche zugeteilt, nachmittags kommen wir dann beide zum Bag Lunch (hier werden die Sachen vorbereitet für die Lunchpakete, die sich die Gäste packen können). Ich bleibe bis zum Ende unseres Aufenthalts beim Bag Lunch, Chris wird zunächst in den Garten versetzt (ganz schön anstrengend wegen Kompost machen und so) und dann wieder in die Küche. Das Bag Lunch Team besteht außer mir aus vier Personen, ich bin die dritte Deutsche im Team. Unser Crew Head ist Valerian (aus Dtl.), außerdem gibt es noch Barbara (aus Wiesbaden), Kaishin und Peter. Nach der Arbeit besuche ich das Bath House, das ist toll, es gibt hier so heiße Quellen, aus denen sich das Bath House speist, außerdem kann man im Bach baden oder einfach nur entspannen. Abends ist kein Zazen, sondern Dharma Talk, das ist ein Vortrag zu einem Zen Thema von einer*einem Zen Priester*in. Das findet zweimal die Woche statt. Danach ins Bett. Insgesamt war das ein krasser Tag für mich. Ich habe mich den ganzen Tag den Tränen nahe gefühlt und habe sehr große Lust zu rauchen. Ich komme mir wie ein Fremdkörper vor und bin ganz schön überfordert mit allem. Der Service mit seinen Chants und Niederwerfungen löst Beklemmungsgefühle bei mir aus. Ich frage mich, ob ich es drei Wochen hier aushalten kann. In der Situation ist es natürlich besonders doof, dass Chris und ich kein gemeinsames Zimmer haben. Ich habe das Gefühl, dass alle einen Grund haben, hier zu sein, außer mir, alle praktizieren Zen auch zuhause. Mit den Gedanken und Gefühlen gehe ich ins Bett.

Sonntags sieht alles schon viel besser aus. Ich habe besser geschlafen, ich kenne den Tagesablauf schon und bin nicht mehr so überfordert und beschließe, mich einfach drauf einzulassen. Auch die Chants beim Service haben irgendwie was. Beim Frühstück unterhalte ich mich mit Dario, der für vier Wochen hier ist und vorher auch überhaupt nichts mit Zen zu tun hatte. Das beruhigt mich und ich werde noch andere Personen treffen, bei denen das auch so ist und die auch am Anfang diese Beklemmungsgefühle hatten. Meinen Arbeitsbereich Bag Lunch finde ich auch gut und mein Team sehr nett. Abends setzen wir uns in die Bibliothek und ich lese „Zen Mind, Beginner’s Mind“ von Shunryu Suzuki, um Zen besser zu verstehen. Ein schöner Ort.

Alles wird schnell Routine, aufstehen, meditieren, arbeiten, Kaffee trinken… Alle Leute sind sehr nett und offen und man kommt leicht mit allen ins Gespräch. Es sind Personen aller Altersgruppen hier und mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, manche bleiben nur ein paar Tage oder Wochen, andere sind den ganzen Sommer über hier. Wenn ich frei habe gehe ich ins Bath House oder in den Pool oder in die Bibliothek oder in den Garten. Das Essen ist sehr lecker fast immer und es gibt so leckere Nachtische.

Mittwochs haben wir unseren ersten freien Tag. Immer nach vier Arbeitstagen gibt es einen Tag frei. Wir schlafen aus bis zum Frühstück, entspannen im Bath House, packen uns Bag Lunch und machen uns auf zu einer Wanderung zum Flag Rock. Ich habe große Klapperschlangenangst, aber uns begegnet zum Glück keine. Es ist heiß und anstrengend und landschaftlich sehr schön. Wir entspannen am Pool, lesen, sitzen im Garten – ein schöner Tag. Nachts wird es sehr kalt, zum Glück leiht mir Delip seinen Schlafsack.

Freitags ziehen Chris und ich um in ein gemeinsames Zimmer. Da ist es auch nicht mehr so kalt. Ich habe oft Lust zu rauchen. Samstags ist irgendwas nicht ok mit dem Abendessen und viele müssen kotzen, ich auch. Danach ist aber auch wieder ok. Abends ist Dharma Talk mit einer Priesterin aus Oakland, Zenju Earthlyn Manuel, den finde ich sehr schön und er hallt nach, hier kann man ihn anhören.

Montags ist unser zweiter Day Off und Tag der totalen Sonnenfinsternis, was komplett an mir vorbeigegangen ist. Kein Wunder, so ganz ohne Internet. Zum Zeitpunkt der Eclipse bin ich im Bath House und es wird merklich dunkler und kälter. Meine zweite Sonnenfinsternis. Wir haben einen sehr entspannten Tag. Allgemeine Gedanken: Ich kann dem Meditieren und dem Singen durchaus etwas abgewinnen, den Ritualen während dem Service nicht so.

Dienstags mache ich Kräuterkäsekuchen beim Bag Lunch. Valerian hatte gefragt, ob es etwas gibt, was ich gerne mal machen würde, und da das mein Lieblingsmitbringsel für überall ist und ihn auch alle lieben, hab ich den Kräkäku vorgeschlagen. Das mag ich auch gerne am Bag Lunch, dass man ein Rezept von Anfang bis Ende fertig macht und dass es nicht so wie am Fließband ist wie in der Küche. Jeden Tag im Bag Lunch zu arbeiten führt auch dazu, dass ich nachts immer von essen und Essenszubereitung träume.

Donnerstags ist Dharma Talk mit Edward Espe Brown. Er hat auch die Tassajara Koch- und Backbücher geschrieben. Einmal unterhalten wir uns beim Mittagessen und er glänzt mit einem Fundus an deutschen Sprichwörtern, äußerst unterhaltsam. Er tourt auch häufiger durch Deutschland, vielleicht bekomme ich nochmal die Gelegenheit, ihn dort zu sehen. Der Talk war einerseits sehr witzig, andererseits auch sehr berührend und intim. Leider ist er nicht online (aber wenn man Ed Brown Dharma Talk googelt findet man etliche andere Talks von ihm), hier gibt es ein Interview mit ihm.

Freitags abends helfe ich das Guest Dinner vorzubereiten. Dafür werden jeden Tag zwei Personen gesucht, die dafür dann das Gästemenü zusammen mit den Köchinnen verkosten dürfen. Ich hatte mir extra diesen Tag ausgesucht, weil es mexikanisches Essen mit Key Lime Pie zum Nachtisch gab und es hat sich geschmacklich auch voll gelohnt und ich konnte ganz viele Reste für den freien Tag am nächsten Tag mitnehmen.

Samstags am freien Tag machen wir mehrere kleine schöne Wanderungen und entspannen im Bath House und am Pool. Ich fange an, das Buch zu lesen, das ich mir in San Francisco gekauft habe („A Tale for the Time Being“ von Ruth Ozeki) und bin gleich ziemlich gefangen davon.

Sonntags ist es super heiß und ein Schlemmertag. Zum Frühstück gibt es Latkes mit Cheddar uns Sour Cream und Pfirsichsoße, abends gibt es Udon Nudeln in Tahin und Frühlingszwieblen, dazu Tofu mit Kürbisspalten und zum Nachtisch Matcha Schokoladenkuchen. Krass lecker, krass überfressen. Montags geht es dann genau so weiter. Es ist noch heißer, zum Abendessen gibt es Nutloaf mit Kirschsoße und Kartoffelbrei und Spinat und Kale, Tiramisu zum Nachtisch. Ich kann nicht mehr. Nachmittags gehe ich mit Barbara im Creek schwimmen, das ist sehr schön und erfrischend. Als ich das am nächsten Tag wiederholen will, sitzt eine Schlange auf einem Stein, dann traue ich mich nicht mehr. War wohl eine ungefährliche.

Mittwochs ist dann schon der letzte Arbeitstag, das letzte Mal Pool, das letzte Mal Zazen, das letzte Mal Service, der letzte Dharma Talk. Donnerstags ist freier Tag und Abfahrtstag, am Nachmittag nimmt uns Ann aus New York mit dem Auto mit nach San Francisco. Von den leckeren Jalapeno-Cheddar-Scones beim Frühstück packen wir gleich noch zwei für den nächsten Tag ein. Wir verabschieden uns von allen beim Work Circle, gehen nochmal ins Bath House, packen und räumen unser Zimmer aus. Dann heißt es Good Bye, Tassajara!

Nach Anlaufschwierigkeiten ein guter Aufenthalt, vielleicht sitze ich in Zukunft auch für mich ab und zu mal Zazen, drei Wochen haben aber auch gereicht, vielleicht komme ich eines Tages nochmal wieder.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s